| 2008.07.05 Chorreise "Lutherstädte" |
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Chorreise in sechs Lutherstädte5. – 12. Juli 2008 Paul Kohler / Heinz Gloor Unsere 50-köpfige Gruppe hat an zwei Samstagen vor der Reise einige Lieder und Motetten aus der Zeit der Reformation eingeübt. Doch es wird keine Konzertreise, sondern eine anspruchsvolle Kulturreise in sechs Städte Mitteldeutschlands, die durch den Reformator, Bibelübersetzer, Dichter und Musiker Martin Luther berühmt geworden sind. Diese sechs Orte liegen alle im Gebiet der ehemaligen DDR und sind deshalb uns Schweizern eher wenig bekannt. Am Samstag erfolgt die Hinreise mit dem ICE über Frankfurt und Fulda nach . . . Eisenach 1521: Nach dem Reichtag zu Worms mit der Ächtung durch den Kaiser, wird Martin Luther (ML) von Freunden auf die nahe Wartburg entführt. Dort übersetzt er das Neue Testament. Nach einer Chorprobe besuchten wir das 500 Jahre alte Lutherhaus. Die kleine Ausstellung in diesem alten Fachwerkbau über Martin Luther - aber auch das ganze Städtchen - sprachen uns sehr an. Sonntag in Eisenach Der lutherische Gottesdienst in der Nikolaikirche beeindruckte uns sehr. Unsere Beiträge dabei waren: „Singt mit froher Stimm...“(teilweise mit französischen Strophen), „All Morgen ist ganz frisch...“ und „Die beste Zeit im Jahr ist mein“. Ein eindrücklicher und heute seltener Anblick: die drei Glocken wurden von Hand geläutet. Nach dem Aufstieg zur Wartburg und dem Mittagessen im hohen Wappensaal des Hotels folgte die Führung durch die Wartburg. Im Festsaal, wo in der Minnesängerzeit der „Sängerkrieg“ stattgefunden haben soll, gaben wir „Da pacem domine“ von ML zum besten. Montag in Schmalkalden, dem polit. Zentrum der Reformation 1531 Gründung des Schmalkaldischen Bundes lutherischer Reichsstände gegen den (katholischen) Kaiser. 1537 verfasst ML die „Schmalkaldischen Artikel“ (Glaubenssätze). In der spätgotischen Stadtkirche St. Georg zeigt man uns die acht verschiedenen Gewölbetypen und als grössten Schmuck die hölzernen Emporenbilder. Zur schön gelegenen Wilhelmsburg gelangte man durch enge Strassen mit Fachwerkhäusern. Die dortige Schlosskapelle ist ein Kirchenbau gemäss der Vorstellung von ML: Zuunterst der Abendmahlstisch, darüber auf der 1. Empore die Kanzel und zuoberst die Orgel: Sakramente – Wortverkündigung – Musik in einer senkrechten Linie. Alle Pfeifen der Renaissance-Orgel sind aus Holz gefertigt (im Prospekt sogar mit Elfenbein- und Goldbelag). Mit ML’s Motette „Non moriar sed vivam“ füllten wir den hohen Raum. Dieses kleine Musik-Juwel liebten wir sehr. Dienstag in Erfurt Ab 1501 studiert ML hier an der Uni die „sieben freien Künste“. Dann beginnt er auf Vaters Wunsch das Jurastudium. 1506 tritt er infolge eines Gelübdes ins Kloster ein. 1507 folgt im Dom die Priesterweihe. Erst danach beginnt er mit dem Theologiestudium. Die Führung im Augustinerkloster war ausgezeichnet. Auch in der nahegelegenen, 1183 gegründeten Michaeliskirche wurden wir sehr herzlich empfangen. 1520 wurde hier die erste evangelische Predigt in Erfurt gehalten. 1522 sang Johannes Lang, der Reformator der Stadt Erfurt, die erste evangelische deutsche Messe und legte damit einen Grundstein für die Entwicklung der evangelischen Kirchenmusik. Zu unserem Offenen Singen erschien vor allem ein Senior-innenchor. Wir zeigten dem Publikum, dass auch der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli sehr musikalisch gewesen war – er beherrschte mindestens 6 Instrumente, schuf Melodien und dichtete Lieder, zB. das Kappeler Lied „Herr, nun selbst den Wagen halt“. Mittwoch in der Lutherstadt Eisleben 10. Nov. 1483 Geburt von ML. 1546 weilt er wieder hier und hält seine letzten Predigten. Er stirbt am 18. Februar, wird nach Wittenberg überführt und dort in der Schlosskirche bestattet. Der Besuch des erst vor einem Jahr wieder neu eröffneten Geburtshauses Luthers ist vor allem ein visuelles Erlebnis. Danach begaben wir uns zu der auf einem Hügel gelegenen Annenkirche - der Bergbauheiligen Anna geweiht. (Eisleben war bis vor kurzem der weltweit wichtigste Ort für Kupfer-bergbau). Von der wertvollen Innenausstattung der Kirche ist die Sandsteinbrüstung des Chorgestühls von 1585 besonders zu erwähnen. Diese „Steinbilderbibel“ besteht aus 29 Relieffeldern mit alttestamentlichen Szenen. Es fanden sich erstaunlich viele Leute zum offenen Singen ein. Danach verwöhnte uns der Frauenkreis der Kirchge-meinde mit Speis und Trank. Wir zogen unser Lieder-büchlein hervor und sangen daraus Kanons und Lieder, zB. „Nun freut euch, lieben Christen gmein“. Donnerstag in der Lutherstadt Wittenberg 1508 wird ML ins Augustinerkloster Wittenberg versetzt. 1512 wird er Doktor der Theologie. Am 31. Oktober 1517 veröffentlicht er seine 95 Thesen über Busse und Ablass = Beginn der Reformation. 1520 erste Kampfschriften, 1525 heiratet ML die Nonne Katharina von Bora. Wir besichtigten zuerst die Schlosskirche – sie enthält u.a. die Gräber Luthers und Melanchthons -- an deren hölzernen Tür soll einer nicht unbestrittenen Überlieferung zufolge ML seine 95 Thesen in lateinischer Sprache angeschlagen haben. In der Stadtkirche St. Marien wurde uns der berühmte Cranach-Altar mit den Gestalten aus der Zeit der Reformation gut und humorvoll erklärt, ebenso das für die Katholiken nicht gerade schmeichelhafte Weinbergbild. Mit unseren Gesängen nahmen wir am offiziellen Mittagsgebet teil (zB. „Ein feste Burg ist unser Gott“. Das ausgezeichnet präsentierte Lutherhaus (zuerst Kloster, dann Wohnhaus der Familie ML., nun Museum) konnten wir anschliessend solange erkunden, wie wir wollten. Freitag in Torgau Torgau ist ein weiteres politisches Zentrum der Reformation. Schloss Hartenfels als Residenz der sächsischen Kurfürsten. 1524 erarbeitet Kantor Johann Walter gemeinsam mit ML die neue Gottesdienstordnung und gibt ein evangelisches Kirchengesang-buch heraus. Zuerst besichtigten wir unter der Leitung der beiden Stadtführer in der spätgotischen Marienkirche die prachtvolle Kanzel und die eindrückliche Grabplatte von Katharina von Bora. Luthers Frau starb hier 1552. Nach der freien Zeit stellten wir uns vor dem Altar der Schlosskirche zu einem weiteren Offenen Singen auf (mit u.a. „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“). Samstag, Rückreise von Leipzig nach Basel Bevor wir uns quasi von ML verabschiedeten, besuchten wir in Leipzig die nahe gelegene Reformierte Kirche und wurden dort herzlich begrüsst. Unser Chorleiter Hermann Stamm wählte einige Gesänge aus unserem Repertoire und Ueli Bietenharder, unser Kameramann, dankte im Namen der Teilnehmenden mit liebevollen und witzigen Worten dem Leiterteam für die gute Arbeit und perfekte Organisation. Nach dem Zuspruch des Segens fanden wir noch Zeit, die beiden Bachkirchen St. Thomas und St. Nikolai kurz zu besuchen. Mit geringer Verspätung fuhr der ICE am Mittag in Leipzig ab und kam pünktlich um 19 Uhr in Basel an. Wir sind dankbar und froh, dass niemand in dieser doch recht anstrengenden Woche krank geworden oder verunfallt ist. Wohin wird die nächste Reise in zwei Jahren gehen? Ein Plan besteht bereits. |
| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 18:34 Uhr |


