Start Archiv Berichte 2000.07.19 Chorreise "Johann Sebsatian Bach"
2000.07.19 Chorreise "Johann Sebsatian Bach" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   

Chorreise zu den Wirkungsstätten von J.S. Bach vom 16. - 22. Juli 2000


Zum 2. Mal hat der SKGB eine Chorreise ausgeschrieben. Die 45 Plätze waren bald besetzt- frühzeitige Anmeldung hat sich gelohnt! Da gleich zu Beginn der Reise am Sonntag in einer Kirche gesungen wurde, waren zwei Vorproben an zwei Samstagen im Vorfeld der Reise obligatorisch. Von den Sängerinnen und Sängern konnten fünf Teilnehmer  gewonnen werden, ihre Instrumente mitzunehmen. So wurde der Chor von drei Violinen, einer Bratsche und einem Cello begleitet und unterstützt 

Samstag, 16. Juli

In Basel treffen sich die Reiseteilnehmer im ICE, der uns bequem nach Frankfurt und von da im Interregio in insgesamt 7stündiger Fahrt nach Erfurt bringt. Gleich nach der Ankunft hier und dem Zimmerbezug im bahnhofnahen Hotel Intercity bietet sich Gelegenheit eines ersten Streifzuges durch die Stadt und einem Besuch des Domes und der St. Severi-Kirche. Beeindruckt von den vielen Kunstschätzen in diesen beiden Bauwerken mit der imposanten Treppe aus der Zeit des 13. Jahrhunderts  lässt uns erahnen, was wir an kulturhistorischen Bauten noch zu sehen bekommen würden. Nach dem Nachtessen versammeln wir uns zu einer Chorprobe, gilt doch der Sonntagmorgen dem Gottesdienstbesuch in der Kaufmannskirche, wo wir mit der Bachmotette "Nun lob, mein Seel, den Herren" (BWV 28,2) und zweien Chorälen mitwirken dürfen.

Sonntag, 16. Juli

Nach dem ausgiebigen Frühstück begeben wir uns in obenerwähnte Kirche. Verwöhnt von all den gut unterhaltenen Kirchen in unserm Land, bemerken wir hier die finanzielle Not der Kirchgemeinden, die in der Baufälligkeit der Gebäude sichtbar wird. Gut, dass Gotteslob , Gottesdienst nicht vom äussern Rahmen abhängig ist! Die freie Zeit darnach wird verschieden benutzt: Besuch eines politischen Gottesdienstes, Bummel, ausruhen, Mittagessen. Die beiden Damen, die uns am Nachmittag  in zwei Gruppen durch die Stadt führen, erzählen uns mit viel Engagement und Sachwissen aus der Geschichte Erfurts und dem Bezug zu J. S. Bach. Dieser selbst war nie in Erfurt tätig, seine Vorfahren jedoch bewohnten hier verschiedene Häuser. Dieser äusserst interessante Nachmittag wird durch den Besuch in der Predigerkirche mit der Ausstellung:" Der junge Bach - weil er nicht auffzuhalten..." und einem kleinen Orgelkonzert hier beendet. Wir dürfen im Chor dieser Kirche noch einige Choräle zu unserer Freude singen, bevor wir uns im Ratskeller, einer historischen Gaststätte, zum Nachtessen zusammenfinden.

 Montag, 17. Juli

Mit dem Zug reisen wir nach Arnstadt. Wiederum werden wir, geteilt in zwei Gruppen, durch die Stadt geführt. Erstmals 704 erwähnt, hat Arnstadt eine reiche, bewegte Vergangenheit. Schade, dass Oberkirche und  Liebfrauenkirche wegen Baufälligkeit nicht besucht werden können, aber viele Gassen, Winkel, Häuser  und auch das moderne Standbild des jungen Bach bieten sich als Photoobjekt an. Nach dem Mittagessen ist der Besuch in der J.S. Bachkirche angesagt. Hier wirkte der Komponist von 1703 - 1707. Organist und Kantor Gottfried Preller erzählt einiges zur Kirche und gibt schliesslich auf der rekonstruierten Barockorgel eine Kostprobe seines Könnens. Auch hier dürfen wir singen. Ein Extrabus fährt uns nach Dornheim. In dieser kleinen schmucken Kirche heiratete J.S. Bach seine erste Frau Maria Barbara. Noch ist der Schemel, auf dem das Brautpaar kniete, original zu sehen. Vor einigen Jahren war diese Kirche noch ein einziger Trümmerhaufen, das Dach leck, der Boden kaputt, ohne Mobiliar. Auf Initiative einiger Einwohner Dornheims und unter Mithilfe der ganzen Dorfbevölkerung wurde die Kirche in Fronarbeit zu dem gemacht, was sie heute ist: ein heller, freundlicher Gottesdienstraum. Nicht verwunderlich, dass viele Brautpaare sich hier trauen lassen! Herr Neumann, Präsident des Freundeskreises zur Erhaltung der Traukirche von J.S. Bach in Dornheim, erzählt von der wechselvollen Geschichte der Kirche und des Dorfes, von den Leiden des dreissigjährigen Krieges und deren der jüngsten Vergangenheit. Sein Appell: nie mehr Krieg - wen wunderts? Als Höhepunkt des Tages dürfen wir hier mit unseren Instrumentalisten und mit Begleitung auf der Orgel durch eine Teilnehmerin unserer Gesellschaft unsere Motette singen. Zurück in Erfurt beschliessen wir den Tag in einer Pizzeria.     

Dienstag, 18. Juli

Wer Weimar sagt, denkt zwangsläufig an Goethe und Schiller- unser nachhaltigste Eindruck  in dieser Stadt ist aber zweifelsohne der Besuch in der Herderkirche mit der Besichtigung des Cranachaltars. Die Küsterin der Kirche erklärt in einfachen Worten das Bild, eine Kurzpredigt mit der elementaren Botschaft  des alten und neuen Testaments. Ob sich Lucas Cranach der Ältere bewusst war, dass sein Altarbild noch nach einem halben Jahrtausend aussagestark viele Menschen bewegen würde? Auch in dieser Kirche durften wir singen und uns an der guten Akustik freuen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen teilen wir uns in zwei verschiedene Gruppen. Einige besuchen miteinander die Gedenkstätte Buchenwald. Die andere Gruppe entschliesst sich für eine Stadtführung. Weimar war 1999 Kulturstadt Europas: die Strassenzüge präsentieren  sich in neuem Glanz, die Häuser sind geschmackvoll renoviert, die Plätze grosszügig, die Paläste und Residenzen beeindrucken. J.S.Bach erlebte eine fruchtbare Schaffensperiode in Weimar als Hoforganist, Kammermusiker und später als Konzertmeister des Herzogs. Warum wohl wird bei der Führung vor allem auf die Dichterfürsten hingewiesen und J.S. Bach nur am Rande erwähnt?

Mittwoch 19.Juli

Damit eine Chorreise nicht zu einer stressigen Angelegenheit verkommt, wird Mitte Woche ein freier Tag eingeschaltet. Nach Belieben kann ausgeruht werden, ein eigenes Programm gestaltet  oder eines der beiden Ausflugsangebote benutzt werden. So besucht eine Gruppe Mühlhausen, wo J.S. Bach  im Jahr 1707 als Organist an der imposanten Divi-Blasii-Kirche wirkte. Die andere Gruppe fährt nach Naumburg. Hier wird zuerst der Dom besichtigt, ein gewaltiges Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert. Nach dem Gang durch die Handwerkerstrasse und Kaufleutestrasse und über den schönen Marktplatz gelangen wir in die Wenzelskirche. Hier geniessen wir ein kleines Konzert, gespielt auf der legendären Hildebrand-Orgel. Nach all den Stadtrundgängen freuen wir uns auf die in Aussicht gestellte Wanderung. Nach dem Mittagessen  fahren wir mit einem Bus nach Bad Kösen. Hier besteigen wir ein Motorboot, das uns in ruhiger Fahrt auf der Saale ca. 4 km flussaufwärts bringt. Einer kleinen  Steigung folgend, erreichen wir die Rudelsburg, von wo eine schöne Aussicht ins Saaletal genossen werden kann. Nach einer guten Wanderstunde durch sattgrünen Laubwald erreichen wir Bad Kösen und lassen uns dann mit der Bahn wieder nach Erfurt zurück bringen.

Donnerstag, 20.Juli

Heute verlassen wir Erfurt, um die letzten beiden Tage in Halle und in Leipzig zu verbringen. Gleich nach der Ankunft im Hotel Maritim in Halle treffen wir uns zu einer Singstunde. Wir üben die Lieder und Kanons, die wir am Abend in der Marktkirche singen werden. Am Nachmittag treffen wir uns auf dem Marktplatz, wo eine Führerin darauf wartet, uns mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt vertraut zu machen. Zuerst wird natürlich Händel erwähnt, ein Zeitgenosse J.S. Bachs. Es erstaunt und belustigt uns auch etwas, dass bei jeder Stadtbesichtigung die jeweilige Stadt als grosser Handelsumschlagplatz gerühmt wird, weil die Ost-Westverbindung und die Nord-Südverbindung auf dem jeweiligen Marktplatz zusammentreffen! Nach der Führung bleibt noch etwas freie Zeit für Besichtigung des Doms, für den Besuch des Händelmuseums oder einfach zum Ausruhen. Vor dem Abendessen in einem rustikalen Gasthaus finden wir uns in der Marktkirche zu einem Offenen Singen mit den Hallensern ein. Wir dürfen einmal mehr unsere Bachmotette singen, uns am Klang in diesem Gotteshaus freuen  und einem Orgelkonzert auf einer Reichel-Orgel aus dem Jahr 1664 beiwohnen.

Freitag, 22. Juli

Heute Vormittag fahren wir mit dem Zug nach Leipzig, der Stadt, in der J.S. Bach am längsten, von 1723 bis zu seinem Tod 1750,  gewirkt hat. Leipzig ist nun wirklich die Bachstadt: Nikolaikirche, Thomaskirche, der Thomanerchor, die Matthäus-Passion, die Johannes-Passion, die h-Moll-Messe, Namen, die mit Leipzig verbunden sind. Am Vormittag lassen wir uns in einem Bus in und um Leipzig führen, sehen das grosse Messegelände, das Völkerschlachtdenkmal, die russische Kirche, um nur einiges zu erwähnen. Am Nachmittag gehts dann aber zu Fuss all den Orten nach, an denen der gefeierte Komponist gewirkt und gelebt hat. Im Bachmuseum lassen sich Originalschriften, Musikinstrumente, eine grosse Lutherbibel, die J.S. Bach gehörte, und vieles mehr bewundern. Der Besuch des Auerbachkellers, wo wir das Nachtessen einnehmen, gehört wohl zu den "Muss" in Leipzig. 22. Juli - Eröffnung der Bachfestwoche: ab 21 Uhr findet ein Wandelkonzert statt. Auf allen Plätzen und in den Kirchen ertönt Musik. Wer mag, bleibt noch hier und freut sich am mannigfachen Angebot. Grüppchenweise fahren die Teilnehmer zurück nach Halle, bis schliesslich der letzte Zug die Nimmersatten nach Mitternacht zurückbringt.

 Samstag, 22. Juli

Alles findet ein Ende- die Koffern sind gepackt, das reichhaltige Frühstück ein letztes Mal genossen- wir finden uns zu einer Abschlussstunde zusammen. Wir singen, Dankadressen werden ausgetauscht, was wäre eine Chorreise z. B. ohne musikalischen Leiter? was aber ohne Teilnehmer? Sicher und bequem bringt uns die Deutsche Bundesbahn wieder zurück in unsere Heimat, wohl etwas müde, aber um viele Erlebnisse und Eindrücke reicher.
Doris Schildknecht
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 18:33 Uhr