2011.04.28 Ostersingwoche 2011 PDF Drucken E-Mail
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Ostersingwoche 2011 auf dem Leuenberg


Die Ostersingwoche war gut besucht, wenn auch mit  etwas weniger Teilnehmenden als in anderen Jahren. Der späte Ostertermin dürfte dazu beigetragen haben, wahrscheinlich aber auch, dass sich manche Sängerinnen nicht dafür erwärmen konnten, das Credo (selbstverständlich auf Lateinisch) aus der C-Dur-Messe von Ludwig van Beethoven als Hauptwerk einzustudieren. Reformierte Sänger singen kaum Beethoven, weil er nicht in erster Linie als Komponist von geistlichen Werken in die Musik­geschichte eingegangen ist. So war es für alle, Sänger und Chorleitung, eine Herausforderung, sich intensiv mit diesem Werk auseinander zu setzten.
Dieses Werk war nicht für den Abschlussgottesdienst vorgesehen, zumal es ein Orchester erfordert hätte, und auch die treue und zuverlässige Begleiterin am Flügel, Helen Gräser aus Weiningen, atmete sichtbar auf, denn eine Klavierbegleitung eines so gewaltigen Werkes erfordert intensives Üben.
Pfarrer Christian Refardt aus Aarwangen legte den morgendlichen Andachten das Glaubensbekenntnis in der Vertonung von Beethoven zu Grunde und analysierte die Komposition parallel zum Eingehen auf den Text des Credo. Dabei las er aus der Komposition Erstaunliches heraus: Dass Göttlichem und Himm­lischem der Drei-Vierteltakt zu geordnet sei (dem Irdischen der Vierertakt), dass verhaltene Stellen in der Komposition den Glaubenszweifeln des Komponisten entsprächen, er dort, wo er selbst überzeugt ist, aber vierstimmig und kräftig singen lässt. Christian Refardt charakterisierte Beethoven als grundehrlichen Menschen, der auch dem Zweifel Raum gebe. So lade seine Komposition zur persönlichen Auseinander­setzung mit dem Glauben ein.

Christian Refardt:
Verschiedene Glaubensbekenntnisse (= Credo)
Am Mittwochabend referierte Christian Refardt über verschiedenen Glaubensbekenntnisse, beginnend mit dem alttestamentlichen Bekenntnis, das im baby­lonischen Exil im 6. Jh. vor Christus entstanden ist und der Hoffnung auf Bewahrung und Begleitung durch den Gott der Väter Ausdruck verleiht (5. Mose 26). "Glaubensbekenntnisse sind", so der Referent, "oft in Konfliktsituationen entstanden." Es sei ebenso interessant, was sie enthalten, wie auch was wegge­lassen werde.
Das zweite Beispiel war das allgemein bekannte apostolische Glaubensbekenntnis; es ist gegen 300 nach Christus entstanden und gehörte früher zu jeder Taufe. Kernpunkt der damaligen Auseinandersetzung war die Frage, wie weit Jesus menschlicher oder/und göttlicher Natur sei.
In der Reformationszeit entstanden "Die Ilanzer Schlussreden", wo "Jesus Christus der einzige Hohe Priester ist, der ewig bleibt und daher keines Ersatzes bedarf..."
Die 1934 entstandene Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche in Deutschland, richtete sich gezielt gegen die Ideologie des Nationalsozialismus, welche die sog „Deutschen Christen“ vertraten. Einer der Autoren war der Schweizer Karl Barth, der als Folge seines Amtes als Professor in Bonn enthoben wurde und danach in Basel lehrte. Sie geht in sechs Artikeln jeweils von einem Bibeltext aus, aktualisiert diesen theologisch in bekenntnishafter Weise für die brennenden Fragen der Gegenwart und verwirft die falsche Lehre der Nationalsozialisten.
Grosse Sympathie für einen Text des Berner Pfarrers und Dichters Kurt Marti verriet Christian Refardt als er diesen dem Apostolicum gegenüber stellte. Bei Kurt Marti wird Gott nicht als Vater angesprochen, sondern als "Gott, der Liebe ist", es gibt keinen Christus, sondern "Jesus...den Messias der Bedrängten und Unterdrückten" und seinen Tod am Kreuz erleidet Jesus wegen seiner Predigten, in welchen er "das Reich Gottes verkündigt hat."  Im dritten Artikel ist die Gemeinschaft der weltweiten Kirche an die Stelle der "einen heiligen und allgemeinen (catholicam eccle­siam) Kirche getreten. "Gemeinschaft" ist Kurt Marti wichtiger als "Kirche".
Assistentin Claudia Moppert
Claudia Moppert, Gesangslehrerin, Chorleiterin und Ergotherapeutin gestaltete einen Abend, an dem sie viel Heiterkeit hervorrief, indem sie im grossen Kreis rhythmische Koordinationsübungen auf Gesang machen liess.
Während der musikalische Leiter der Chorwoche, Wolfgang Rothfahl aus Brugg, mit dem Gesamtchor übte, durfte sie mit einer Kleingruppe von ausgewählten Sängern und Sängerinnen die Partien der Solisten für das Credo und einen polyfonen Satz zu zwei Strophen des Glaubensliedes von Peter Spangenberg "Ich glaube, Gott ist Herr der Welt" üben. Jeden Morgen gab sie wertvolle Hinweise zur Stimmbildung und leitete das Einsingen.
Wolfgang Rothfahl: Geduld und Humor
Wolfgang Rothfahl, der mit viel Präzision mit dem Gros der Sänger und Sängerinnen übte, würzte die Probenarbeit mit ausgewählten Anekdoten und verlor auch beim wiederholten Mahnen, man möge doch hersehen und das Tempo richtig abnehmen, nie die Geduld. So konnten am Samstagmorgen beim gemeinsamen Abschluss der Singwoche die meisten Werke aufgeführt werden und am Sonntag wurde in Lenzburg ein Gottesdienst mit Liedpredigt und liturgisch passenden Chorsätzen, zum Teil im Wechsel mit der Gemeinde, gestaltet.
Wolfgang Rothfahl referierte am Donnerstagabend über die (noch berühmtere) "Missa solemnis" von Beethoven, die dieser - bereits ertaubt - geschrieben hat, und setzte das Publikum in Erstaunen mit einer CD-Aufnahme des Zürcher Tonhalleorchesters mit dem Schweizer Kammerchor - solch schwierige Werke sind sowieso den Profichören vorbehalten und werden kaum in der Kirche, sondern meist im Konzertsaal aufgeführt.
Der SKGB dagegen ermöglicht mit seinen Chorwochen altgedienten und neuen nicht professionellen ChorsängerInnen Jahr für Jahr musikalische Er­lebnisse, die über das hinaus gehen, was im eigenen Chor möglich ist. Dafür sei ihm Dank!
Die perfekte Organisation der ganzen Woche verdankt der SKGB wiederum Edi und Vreni Sidler aus Unterengstringen. Es blieben – auch bei der Betreuung durch das Leuenberger-Team - keine Wünsche offen!
Gretel Seebass